Meshtastic
Für AndroidWenn das Mobilfunknetz ausfällt oder ich mich bewusst nicht auf Internet und klassische Messenger verlassen möchte, schaue ich bei Meshtastic auf eine ungewöhnliche Lösung: Die App verbindet sich nicht einfach mit einem zentralen Chatdienst, sondern dient als Bedienoberfläche für ein eigenes Mesh-Funksystem. Dafür braucht man passende Meshtastic-Hardware; das Smartphone allein ersetzt kein Funkgerät. Genau diese Kombination macht die Anwendung interessant, aber auch deutlich spezieller als WhatsApp, Signal oder Telegram.
Ich habe die Android-App als Kommunikationswerkzeug betrachtet, nicht als gewöhnlichen Messenger. Entwickelt wird sie von Meshtastic, sie ist kostenlos und gehört in die Kategorie Kommunikation. Im Alltag fühlt sie sich deshalb weniger wie eine fertige Chatplattform und mehr wie ein Steuerpult an: Ich richte ein Funkgerät ein, verbinde es mit dem Telefon und nutze die App, um Nachrichten, Gerätezustand und Netzwerkkonfiguration zu verwalten.
Mein wichtigster Eindruck: Meshtastic ist dann stark, wenn die Infrastruktur selbst zum Problem wird. Wer hingegen nur schnell und bequem Nachrichten an Freunde senden möchte, ist mit einem etablierten Internet-Messenger meist besser bedient.
Vom fehlenden Netz zur ersten Nachricht
Der typische Ausgangspunkt ist eine Gruppe, die unabhängig von Mobilfunk kommunizieren möchte. Das kann eine Wanderung in abgelegener Umgebung sein, ein gemeinsamer Ausflug mit mehreren Fahrzeugen oder eine Situation, in der lokale Kommunikation auch ohne Internet funktionieren soll. Vor dem ersten Einsatz steht allerdings eine Hürde, die bei normalen Chat-Apps kaum existiert: Ich brauche ein kompatibles Meshtastic-Funkgerät und muss dieses mit der App verbinden.
Die Anwendung selbst ist für Android ab Version 8.0 geeignet. Nach der Installation öffne ich sie nicht einfach und beginne sofort zu chatten. Zuerst muss die Funk-Hardware erreichbar sein. Erst danach wird aus dem Smartphone zusammen mit dem Gerät ein nutzbarer Knoten im Mesh. Diese Trennung zwischen App und Funkgerät sollte man verstehen, bevor man die Anwendung herunterlädt, denn sie bestimmt den gesamten Arbeitsablauf.
Die App übernimmt dabei mehrere Rollen. Sie ist Oberfläche für die Einrichtung, Werkzeug zum Verfassen von Nachrichten und Kontrollzentrum für den verbundenen Knoten. Das ist praktisch, weil ich nicht jedes Detail über Tasten am Funkgerät bedienen muss. Gleichzeitig bedeutet es, dass die Qualität meiner Erfahrung von mehreren Teilen abhängt: vom Telefon, von der Verbindung zum Funkgerät, von der Funkumgebung und von der Konfiguration der beteiligten Knoten.
Einrichten statt einfach anmelden
Bei Signal oder Telegram besteht der erste Schritt im Wesentlichen aus Installation, Konto und Kontaktwahl. Bei Meshtastic denke ich anders. Ich plane zunächst, welche Geräte zusammenarbeiten sollen, wer sie trägt und welche Personen Nachrichten empfangen müssen. Das klingt technisch, ist aber für die spätere Zuverlässigkeit entscheidend. Ein Mesh ist kein magischer Ersatz für ein Netz, sondern ein Verbund aus Funkknoten, die sich gegenseitig erreichen können.
Ich würde die Einrichtung deshalb nicht erst am Berg, auf einem Festivalgelände oder während eines Stromausfalls beginnen. Zu Hause lässt sich in Ruhe prüfen, ob die App das Funkgerät erkennt, ob die Verbindung stabil bleibt und ob die vorgesehenen Teilnehmer dieselbe Umgebung nutzen. Ein kurzer Test mit mehreren Geräten ist wertvoller als die Annahme, dass eine erfolgreiche Einzelverbindung automatisch ein funktionierendes Gruppen-Mesh ergibt.
Ein nützlicher, leicht zu übersehender Gedanke ist die Rollenverteilung. Nicht jedes Gerät muss zwangsläufig von derselben Person bedient werden. Ein Teilnehmer kann das Smartphone hauptsächlich zum Schreiben verwenden, während ein anderer Knoten an einem geeigneten Ort für bessere Weiterleitung sorgt. Dadurch wird die Planung wichtiger als bei einem normalen Messenger: Die Position und Erreichbarkeit der Hardware beeinflussen den Kommunikationsweg.
Nachrichten über mehrere Knoten
Wenn ich eine Nachricht schreibe, verlässt sie nicht einfach mein Telefon über das Internet. Sie wird über das angeschlossene Funkgerät in das lokale Mesh gegeben. Erreichbare Knoten können sie weiterreichen, bis sie den vorgesehenen Empfänger erreicht. Genau darin liegt der besondere Nutzen: Die Kommunikation kann auch dort funktionieren, wo kein Mobilfunkmast oder WLAN-Zugang verfügbar ist.
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Das führt aber zu einem anderen Erwartungsmanagement. Eine Nachricht ist nicht automatisch sofort da, nur weil die App sie als gesendet behandelt. Funkreichweite, Hindernisse, Gerätestandorte und die Bereitschaft anderer Knoten zur Weiterleitung spielen eine Rolle. In einer offenen Landschaft kann die Situation völlig anders sein als zwischen Gebäuden, in einem Tal oder in einem dicht besiedelten Gebiet.
Ich würde deshalb bei wichtigen Einsätzen vorher feste Kommunikationsregeln vereinbaren. Dazu gehört etwa, wie man bestätigt, dass eine Nachricht angekommen ist, welcher Kanal für dringende Informationen dient und wann man nicht weiter auf die App wartet, sondern eine andere Methode nutzt. Diese organisatorische Ebene ist kein Nebenthema. Sie entscheidet, ob Meshtastic im Ernstfall als hilfreiches Werkzeug oder als Quelle falscher Sicherheit erlebt wird.
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Kanäle, Gruppen und der praktische Nachrichtenfluss
Der Reiz eines Mesh-Systems liegt nicht nur darin, eine einzelne Nachricht von A nach B zu senden. In einer Gruppe kann ich Informationen an mehrere Teilnehmer geben, ohne dass jeder eine eigene Mobilfunkverbindung braucht. Für eine Wandergruppe wäre beispielsweise denkbar, dass jemand den Treffpunkt ändert und die Nachricht über die vorhandenen Knoten verteilt.
Ich würde solche Gruppenkommunikation aber bewusst schlicht halten. Kurze, eindeutige Meldungen sind geeigneter als lange Unterhaltungen mit vielen Rückfragen. Die App eignet sich in meiner Einschätzung besonders für Statusinformationen, Treffpunkte, Warnungen und knappe Absprachen. Wer die gleiche Gesprächsdynamik wie in einem modernen Messenger erwartet, könnte die Oberfläche und den Ablauf als weniger bequem empfinden.
Ein konkreter Arbeitsablauf sieht für mich so aus: Vor dem Start werden die Geräte geladen, verbunden und getestet. Danach erhält jeder Teilnehmer eine klare Kennung oder zumindest eine verständliche Zuordnung. Während der Tour schreibt eine Person eine kurze Statusmeldung, die anderen bestätigen den Empfang. Wenn jemand die Gruppe verlässt, bleibt sein Knoten nicht automatisch eine verlässliche Brücke. Genau solche Übergaben müssen in die Planung einfließen.
Wo die Übergaben funktionieren – und wo sie Reibung erzeugen
Vom Smartphone zum Funkgerät
Die erste Übergabe findet zwischen Android-Telefon und Meshtastic-Hardware statt. Das Smartphone bietet die angenehmere Eingabe und Übersicht, während das Funkgerät die eigentliche Verbindung zur Mesh-Infrastruktur herstellt. Diese Arbeitsteilung ist sinnvoll, aber sie macht die App nicht unabhängig von der Hardware. Wenn das Funkgerät nicht verbunden, falsch eingerichtet oder nicht ausreichend versorgt ist, hilft mir die schönste Chatansicht nicht weiter.
Für Einsteiger ist das wahrscheinlich der größte Unterschied zu gewöhnlichen Kommunikations-Apps. Dort kann ich oft sofort testen, ob eine Nachricht funktioniert. Hier muss ich zuerst verstehen, welches Gerät welche Aufgabe übernimmt. Ich würde die App deshalb eher Nutzern empfehlen, die bereit sind, sich mit Funkknoten und Netzwerktopologie auseinanderzusetzen, statt eine völlig reibungslose Sofortlösung zu erwarten.
Die Android-Unterstützung ab Version 8.0 macht die App grundsätzlich auch für ältere kompatible Telefone interessant. In der Praxis würde ich trotzdem vor einer Reise prüfen, ob das konkrete Smartphone mit dem vorgesehenen Funkgerät zuverlässig zusammenspielt. Ein älteres Gerät kann als Anzeige- und Eingabegerät ausreichen, aber die gesamte Kette sollte unter realistischen Bedingungen getestet werden.
Von einem Knoten zum nächsten
Die nächste Übergabe ist der eigentliche Kern des Systems: Ein Knoten erreicht den nächsten, dieser kann die Nachricht weiterleiten, und am Ende landet sie beim Ziel. Das ist der Punkt, an dem Meshtastic mehr bietet als ein direktes Funkgerät-zu-Funkgerät-Szenario. Gleichzeitig ist es auch der Punkt, an dem die meisten Annahmen gefährlich werden.
Ich würde niemals allein aus der Zahl vorhandener Geräte schließen, dass die Abdeckung automatisch gut ist. Entscheidend ist, ob die Geräte räumlich sinnvoll verteilt sind und ob sie sich tatsächlich erreichen. Ein ungenutztes Gerät in einem Rucksack kann weniger helfen als ein gut positionierter Knoten. Für Gruppen lohnt es sich daher, vorab zu überlegen, wer an welchem Ort bleibt, wer sich bewegt und welche Geräte als Zwischenstationen dienen könnten.
Das ist einer der weniger offensichtlichen Vorteile der App: Sie zwingt mich, Kommunikation als räumliches System zu betrachten. Bei einem Internet-Messenger denke ich an Konten und Server. Hier denke ich zusätzlich an Gelände, Entfernung, Hindernisse und die Bewegungen der Teilnehmer. Diese Perspektive ist für Outdoor-Aktivitäten sehr nützlich, erhöht aber den Planungsaufwand erheblich.
Vom Empfang zur Handlung
Eine Nachricht ist erst dann wirklich wertvoll, wenn der Empfänger daraus etwas machen kann. In einem Alltagsszenario könnte eine Gruppe getrennt unterwegs sein: Ein Teil wartet an einem vereinbarten Punkt, während andere wegen eines Hindernisses umkehren. Eine kurze Nachricht über den neuen Treffpunkt kann die Gruppe wieder zusammenführen, sofern die Funkverbindung und die Weiterleitung funktionieren.
Ich würde dabei immer eine Empfangsbestätigung vereinbaren. Nicht jede Meldung muss ausführlich beantwortet werden; ein knappes Zeichen genügt oft. Ohne solche Rückmeldungen bleibt unklar, ob die Nachricht angekommen, gelesen oder nur auf dem eigenen Gerät gespeichert wurde. Das ist eine wichtige Gewohnheit, wenn Meshtastic für mehr als lockere Experimente eingesetzt wird.
Für zeitkritische oder sicherheitsrelevante Situationen bleibt Vorsicht angebracht. Die App kann eine zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit sein, aber ich würde sie nicht als alleinige Garantie für Notfallkommunikation betrachten. Funkbedingungen ändern sich, Geräte können ausfallen und eine Gruppe kann sich außerhalb der erreichbaren Struktur bewegen. Der richtige Umgang ist für mich: Meshtastic als nützliche zusätzliche Ebene einplanen, nicht als Ersatz für jede andere Absicherung.
Was die Bewertung über die Alltagstauglichkeit verrät
Die App liegt im Play Store bei einer durchschnittlichen Bewertung von 3,3 aus rund 4.900 Bewertungen. Diese Zahl passt zu meinem Eindruck von einem Werkzeug, das technisch interessant ist, aber nicht für jeden sofort zugänglich wirkt. Eine solche Anwendung wird naturgemäß von sehr unterschiedlichen Menschen genutzt: Funkinteressierte erwarten Kontrolle, während Messenger-Nutzer eher Einfachheit suchen.
Mit über 100.000 Installationen ist das Projekt keineswegs nur ein persönliches Nischenexperiment. Trotzdem sollte man die Größe nicht mit der Reife eines Massendienstes verwechseln. Die App ist Teil eines offenen Funkökosystems und verlangt mehr Eigenverantwortung als ein zentraler Messenger. Wer sich auf die Besonderheiten einlässt, kann darin eine starke Ergänzung finden; wer nur Kontakte auswählen und losschreiben möchte, wird wahrscheinlich schneller enttäuscht.
Version, Kosten und Zielgruppe
Zum Testzeitpunkt ist die aktuelle Android-Version 2.8.1 mit dem Build-Zusatz 29321949 google. Die Anwendung kostet nichts, was den Einstieg in die Software erleichtert. Kostenlos bedeutet hier allerdings nicht, dass das gesamte Vorhaben ohne Aufwand bleibt: Die passende Funk-Hardware, die Vorbereitung und die Tests gehören praktisch zum Gesamtpaket.
Die Altersfreigabe liegt bei USK ab 0 Jahren. Das sagt wenig über die technische Einstiegshürde aus. Auch wenn die App für alle Altersgruppen freigegeben ist, braucht man für einen sinnvollen Betrieb ein gewisses Verständnis für Geräteverbindungen, Gruppenabsprachen und Funkreichweite. Für technisch neugierige Familien oder Jugendgruppen kann das lehrreich sein, sofern eine erfahrene Person die Einrichtung begleitet.
Ich sehe drei besonders passende Nutzergruppen. Erstens Outdoor-Teams, die in Gebieten mit unzuverlässigem Mobilfunk unterwegs sind. Zweitens Menschen, die sich für offene Funk- und Mesh-Technik interessieren. Drittens Organisatoren kleiner Veranstaltungen oder gemeinsamer Aktivitäten, die eine lokale Kommunikationsschicht ergänzen möchten. Weniger passend ist die App für Nutzer, die hauptsächlich private Alltagschats, Medienaustausch oder eine möglichst große Kontaktbasis brauchen.
Meshtastic im Vergleich zu normalen Messengern
Signal, WhatsApp und Telegram gewinnen bei Komfort, Verbreitung und Geschwindigkeit im Alltag. Viele Kontakte sind bereits erreichbar, Nachrichten lassen sich ohne zusätzliche Funkplanung verschicken, und die Bedienung ist den meisten Menschen vertraut. Wenn ich in der Stadt einem Freund den Standort schicken oder spontan einen Termin ändern möchte, würde ich nicht zu Meshtastic greifen.
Der Vergleich kippt, sobald Internetzugang keine verlässliche Grundlage mehr ist. Ein klassischer Messenger wartet auf seine jeweilige Online-Infrastruktur. Meshtastic setzt dagegen auf lokale Funkknoten und deren Weiterleitung. Das macht die App nicht generell besser, sondern für einen anderen Problemtyp geeignet. Sie ist weniger bequem, aber potenziell dort nützlich, wo der Komfort eines Internetdienstes nichts mehr bringt.
Auch gegenüber einfachen Funkgeräten hat die App einen eigenen Platz. Das Smartphone bietet eine vertraute Texteingabe und kann den Zustand des verbundenen Systems übersichtlicher darstellen. Dafür ist die Lösung stärker von mehreren Komponenten abhängig. Ein klassisches Funkgerät kann für direkte Sprachkommunikation besser geeignet sein, während Meshtastic seine Stärke bei kurzen Textmeldungen und verteilten Knoten ausspielt.
Ein weiterer Trade-off betrifft die Verantwortung. Bei einem zentralen Dienst kümmert sich der Anbieter um einen großen Teil der Infrastruktur. Im Mesh muss ich selbst darauf achten, dass Geräte verteilt, verbunden und einsatzbereit sind. Diese Kontrolle gefällt mir, aber sie ist nicht kostenlos im organisatorischen Sinn. Ich tausche Bequemlichkeit gegen Unabhängigkeit und technische Einflussmöglichkeiten.
Wo der Ablauf ins Stocken gerät
Die größte Reibung entsteht vor dem ersten echten Einsatz. Wer die App installiert und erst unterwegs feststellt, dass zusätzliche Hardware erforderlich ist, hat den Zweck des Systems missverstanden. Ebenso problematisch ist ein Test, der nur aus zwei Geräten direkt nebeneinander besteht. Damit prüfe ich zwar die Grundverbindung, aber nicht automatisch die Weiterleitung über mehrere Knoten oder die Reichweite im Gelände.
Ein zweiter Schwachpunkt ist die Erwartung an sofortige Zustellung. Mesh-Kommunikation kann sich anders anfühlen als ein zentraler Chat. Wenn jemand den Empfang nicht bestätigt, weiß ich nicht zuverlässig, ob die Nachricht noch unterwegs ist, ein Knoten fehlt oder der Empfänger sie einfach nicht beachtet hat. Klare Gruppenregeln und kurze Testnachrichten sind deshalb keine Nebensache, sondern Teil der Bedienung.
Auch wechselnde Teilnehmer können den Ablauf erschweren. Wenn jemand sein Gerät ausschaltet, die Gruppe verlässt oder sich hinter ein Hindernis bewegt, verändert sich die Funkstruktur. Für eine kleine, gut vorbereitete Gruppe ist das handhabbar. Für eine große, ständig wechselnde Menge von Nutzern würde ich eher einen etablierten Messenger oder eine professionelle Kommunikationslösung wählen, abhängig vom jeweiligen Einsatz.
Die App ist außerdem nicht die richtige Wahl, wenn ich eine vollständige soziale Plattform suche. Sie ersetzt keine große Kontaktverwaltung, keinen klassischen Medienkanal und keinen universellen Familienchat. Ihr Wert liegt in der speziellen Verbindung aus Smartphone-Steuerung und unabhängigem Mesh-Funk. Je weiter ich mich von diesem Kern entferne, desto überzeugender werden die üblichen Alternativen.
Mein Ergebnis nach dem gesamten Workflow
Vom fehlenden Netz über die Einrichtung bis zur Nachricht an eine entfernte Gruppe zeigt Meshtastic einen klaren, aber anspruchsvollen Ablauf. Ich installiere die App, verbinde geeignete Hardware, plane die Knoten, teste die Weiterleitung und vereinbare Empfangsbestätigungen. Erst dann entsteht ein Kommunikationsweg, der sich von normalen Messenger-Diensten unterscheidet.
Mein Urteil fällt deshalb bewusst zweigeteilt aus. Für Technikfans, Wandergruppen und Menschen, die lokale Kommunikation ohne Internet vorbereiten möchten, ist die App spannend und sinnvoll. Besonders gefällt mir, dass sie mich nicht an einen zentralen Dienst bindet und die räumliche Struktur eines Meshs praktisch nutzbar macht. Der Preis der Unabhängigkeit ist jedoch eine deutlich höhere Einstiegshürde.
Wer eine unkomplizierte Nachrichten-App für den täglichen Kontakt sucht, sollte bei Signal, WhatsApp oder einem ähnlichen Dienst bleiben. Wer dagegen bereit ist, Hardware zu besorgen, Geräte zu testen und die Übergaben im Funknetz zu verstehen, bekommt mit Meshtastic ein ungewöhnliches Werkzeug. Ich würde es nicht als Ersatz für jeden Messenger installieren, sondern als vorbereitete Zusatzlösung für genau die Momente, in denen gewöhnliche Infrastruktur nicht zuverlässig genug ist.
Am Ende entscheidet nicht die App allein über den Erfolg, sondern der gesamte Ablauf aus Gerät, Standort, Gruppe und Erwartung. Wenn ich diese vier Punkte ernst nehme, kann Meshtastic aus einem Smartphone eine nützliche Schnittstelle für unabhängige Kommunikation machen. Wenn ich hingegen nur eine sofort funktionierende Chat-App erwarte, wird die zusätzliche Technik eher frustrieren als helfen.
Vorteile
- Funktioniert ohne Mobilfunknetz oder WLAN über LoRa-Funkgeräte.
- Open-Source-Projekt mit aktiver Community und vielen Erweiterungen.
- Nachrichten können über Mesh-Knoten über größere Distanzen weitergeleitet werden.
- Standortfreigabe und einfache Textkommunikation sind auch offline möglich.
- Unterstützt verschiedene kompatible Geräte und flexible Konfigurationen.
Nachteile
- Benötigt zusätzliche Meshtastic-Hardware; die App allein reicht nicht aus.
- Reichweite und Zuverlässigkeit hängen stark von Gelände und Antennen ab.
- Einrichtung und Funkparameter können für Einsteiger kompliziert wirken.
- Nachrichten sind nicht so schnell und komfortabel wie bei Internet-Messengern.
- Kompatibilität und Funktionen unterscheiden sich je nach verwendetem Gerät.
FAQ
Was ist Meshtastic und wofür kann ich die App verwenden?
Meshtastic ist ein Open-Source-Kommunikationssystem, das kompatible LoRa-Funkgeräte mit einer Smartphone-App verbindet. Nachrichten werden über ein vermaschtes Netzwerk zwischen Geräten weitergeleitet, ohne dass Mobilfunk, WLAN oder Internet erforderlich sind. Die App eignet sich besonders für Outdoor-Aktivitäten, abgelegene Regionen, Notfallkommunikation und Gruppen, die auch bei fehlender Netzabdeckung in Kontakt bleiben möchten.
Benötige ich zusätzlich zur Meshtastic-App spezielle Hardware?
Ja. Die Meshtastic-App allein reicht nicht aus, um Nachrichten über das Meshtastic-Netzwerk zu versenden. Sie benötigen ein kompatibles LoRa-Gerät, beispielsweise ein Board auf Basis von Heltec, T-Beam oder vergleichbarer Hardware. Das Smartphone verbindet sich normalerweise per Bluetooth mit diesem Gerät. Vor dem Kauf sollten Sie prüfen, ob die Hardware mit Ihrem Betriebssystem, der verwendeten Region und der aktuellen Meshtastic-Firmware kompatibel ist.
Funktioniert Meshtastic auch ohne Internet oder Mobilfunkempfang?
Ja, genau darin liegt eine der wichtigsten Stärken von Meshtastic. Die Kommunikation zwischen den Meshtastic-Geräten erfolgt über LoRa-Funk und kann deshalb auch ohne Internet, SIM-Karte oder Mobilfunkempfang funktionieren. Voraussetzung ist, dass sich weitere kompatible Geräte in Funkreichweite befinden oder als Relais dienen. Die tatsächliche Reichweite hängt stark von Gelände, Antenne, Sendeleistung und regionalen Vorschriften ab.
Wie sicher und privat sind Nachrichten in Meshtastic?
Meshtastic bietet Verschlüsselungsfunktionen für Kanäle, sodass Nachrichten nicht einfach von jedem beliebigen Gerät gelesen werden können. Dennoch sollten Nutzer keine absolut vertraulichen Informationen über ein Funknetz übertragen. Die Sicherheit hängt unter anderem von sicheren Kanal- und Schlüsselkonfigurationen, aktueller Firmware sowie dem verantwortungsvollen Umgang mit Zugangsdaten ab. Öffentliche oder falsch konfigurierte Kanäle können Nachrichten für andere Teilnehmer zugänglich machen.
Welche Einschränkungen und Kosten sollte ich vor dem Download kennen?
Die App ist grundsätzlich kostenlos nutzbar, allerdings entstehen Kosten für die benötigte LoRa-Hardware, geeignete Antennen und gegebenenfalls Zubehör. Meshtastic ist kein Ersatz für einen normalen Messenger: Nachrichten werden langsamer übertragen, die Datenmenge ist begrenzt und Multimedia-Inhalte stehen nicht im Mittelpunkt. Außerdem müssen Frequenzbereiche, Sendeleistung und gesetzliche Bestimmungen des jeweiligen Landes beachtet werden, bevor Sie das System einsetzen.











